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„Starke Schule. Deutschlands beste Schulen, die zur Ausbildungsreife führen“: Bundespräsident Christian Wulff zeichnet Siegerschulen aus

Berlin, 11. Mai 2011. Bundespräsident Christian Wulff hat heute in Schloss Bellevue die Auszeichnungen in Deutschlands größtem Schulpreis „Starke Schule. Deutschlands beste Schulen, die zur Ausbildungsreife führen“ überreicht. Den ersten Preis als „Starke Schule“ nahm die GTHS Hakemickeschule aus Olpe (Nordrhein-Westfalen) entgegen. Der zweite Platz ging an die Grund- und Werkrealschule in der Taus aus Backnang (Baden-Württemberg). Drittplatzierte Schule ist die Erich Kästner Realschule plus in Ransbach-Baumbach (Rheinland-Pfalz). Ausgeschrieben und finanziert wird der mit Preisgeldern in Höhe von rund 220.000 Euro dotierte Wettbewerb von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, der Bundesagentur für Arbeit, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und der Deutsche Bank Stiftung. Im Mittelpunkt der Jury-Bewertung standen das Schulkonzept, die Vermittlung fachlicher und sozialer Kompetenzen sowie die erfolgreiche Förderung von Berufsorientierung und Ausbildungsfähigkeit.

v.l.n.r. Dr. Dieter Hundt (Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände), Bundespräsident Christian Wulff, Kira Groth (Schülerin), Jakob Ickenroth (Schüler), Gerhard Leisenheimer (Schulleiter), Dr. Michael Endres (Vorstandsvorsitzender der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung). Foto: Starke Schule/Stefan Lucks.

Bundespräsident Christian Wulff würdigte das herausragende Engagement der Schulen, ihrer Lehrer und der Schülerinnen und Schüler: „Bildung ist die Schlüsselfrage für die Herausforderungen der Zukunft. In der Schule wird die Grundlage für den Zusammenhalt der Gesellschaft und die Gestaltung der Zukunft gelegt. Deshalb brauchen wir starke Schulen, die miteinander und voneinander lernen. Der Schulwettbewerb ‚Starke Schulen‘ leistet genau das: Er zeichnet Schulen aus, in denen die Lehrer ihre Schüler in ganz besonderer Weise fördern.“

Über 600 Schulen haben sich bundesweit am Wettbewerb beteiligt und für einen Bewerbungsrekord gesorgt. Beteiligen konnten sich alle Schulen, die ihre Schüler auf den ersten allgemeinbildenden Schulabschluss vorbereiten. Nach wie vor betrifft dies die Mehrheit der Schüler: Knapp 62 % der Schüler eines Jahrgangs verlassen bundesweit die Schule mit einem Haupt- oder Realschulabschluss.

„Unsere Siegerschulen im Wettbewerb ‚Starke Schule‘ bieten ihren Schülerinnen und Schülern optimale Bedingungen. Sie liegen deutlich über dem bundesdeutschen Durchschnitt, was die Vermittlung in Ausbildungsplätze angeht. Während bundesweit über 50 % der Schüler mit Hauptschulabschluss keinen direkten Zugang in die Berufswelt finden, sind dies bei den Siegerschulen des Wettbewerbs nur 19 %“, so Dr. Michael Endres, Vorstandsvorsitzender der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, stellvertretend für die Wettbewerbspartner. „Der ‚Starke Schule‘-Preis will auf die hevorragende Arbeit der Schulen aufmerksam machen und zum Nachahmen anregen.“

Im Ergebnis hatten im Wettbewerb 2011 jene Schulen die Nase vorn, die ihre Schüler individuell fördern, neben fachlichen auch soziale Kompetenzen vermitteln und eine frühzeitige Berufsorientierung anbieten, spätestens ab Klasse 7.

Die Bildungsforscherin Prof. Isabell van Ackeren arbeitet seit vielen Jahren in der „Starke Schule“-Jury mit: „Die Schulen im Wettbewerb stellen sich im besonderen Maße der Herausforderung, trotz widriger Umstände die Leistungsentwicklung ihrer Schüler möglichst optimal zu unterstützen. Dabei zählen sie zu den innovativsten in Deutschland. Auffallend ist: Es gibt hierzulande große Qualitätsunterschiede zwischen den Einzelschulen desselben Schultyps. Die stärksten Schulen sind diejenigen, die nicht in Auffangbecken außerhalb der Schule denken, sich auf die individuellen Profile ihrer Schüler konzentrieren und auch auf Inklusion setzen.“

Der erste Preis geht mit 15.000 Euro an die Ganztagshauptschule Hakemickeschule in Olpe. Dr. Tessen von Heydebreck, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bank Stiftung, lobte das überzeugende Gesamtkonzept der Schule, das individuelle Förderung, soziales Lernen und die frühzeitige Berufswahlorientierung in den Vordergrund stellt. Externe Fachkräfte wie Sozial- oder Sprachheilpädagogen werden in den Schulalltag einbezogen was die Inklusion von Sonderschülern ermöglicht. „Selbstständiges Lernen“ steht jeden Tag auf dem Stundenplan. Die Schule ist eng vernetzt mit dem städtischen Berufskolleg, lokalen Firmen und der Bundesagentur für Arbeit, um den Schülerinnen und Schülern den Übergang von der Schule in den Beruf zu erleichtern. Auch die Eltern sind aktiv eingebunden. Über ein Mitteilungsbuch erhalten sie tage- und wochenweise Informationen über die Lernforschritte und das soziale Verhalten ihrer Kinder. Schulsanitäter, Streitschlichter, Paten für jüngere Schüler und für körperbehinderte Kinder tragen zu einer sehr guten Atmosphäre in der Schule bei.

Den mit 10.000 Euro dotierten zweiten Preis erhält die Grund- und Werkrealschule in der Taus in Backnang. Als Laudator gratulierte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Frank-J. Weise. Besonders herausragend an der Schule ist die erfolgreiche Qualitäts- und Unterrichtsentwicklung, aber auch die gute Zusammenarbeit zwischen Lehrern, Schülern, Eltern und den zahlreichen außerschulischen Partnern. Individuelle Förderung steht im Zentrum des pädagogischen Konzepts. Vielfältige Differenzierungen, die Erstellung von Förderplänen und z. B. auch der Einsatz von Lesepaten verbessern die Leistungen der Schüler und stärken ihre Kompetenzen. Die aktive Einbindung der Schüler in das schulische Leben ist ein wesentliches Anliegen der Werkrealschule – sei es bei der Erarbeitung des Schulprogramms, in der Schülerfirma oder der selbstständigen Organisation von Veranstaltungen.

Mit dem dritten Preis und 5.000 Euro wird dieinterner Link Erich Kästner Realschule plus Ransbach-Baumbach ausgezeichnet. Dr. Dieter Hundt, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, lobte die motivierende Lernkultur. Ein Schwerpunkt des Schulkonzeptes liegt in der Förderung des selbstständigen Lernens, dazu gehört auch ein Kommunikations- bzw. Methodentraining. Schüler arbeiten eigenständig als „Lernberater“ oder betreuen Arbeitsgemeinschaften. Praxistage, Betriebspraktika und Berufspaten zur Unterstützung bei der Bewerbung bereiten die Schüler auf die Arbeitswelt vor. Im Projekt „Keiner ohne Abschluss“ erhalten Schüler ohne Hauptschulabschluss die Chance, die Berufsreife durch zusätzliche Förderung noch zu erreichen und sammeln zugleich Erfahrungen in der Arbeitswelt durch Praktika. Eine weitere Besonderheit der Schule: Schulhund Henry. Er wird bei der Betreuung von Kindern eingesetzt, die beispielsweise unter Lernschwächen oder Hyperaktivität leiden.

Bei der Bewertung berücksichtigte eine Jury mit Vertretern aus Bildung, Wirtschaft und Wissenschaft die jeweiligen regionalen Rahmenbedingungen der Schulen wie z.B. das wirtschaftliche und soziale Umfeld. Aus den über 600 schriftlichen Bewerbungen sowie durch zahlreiche Vor-Ort-Besuche wurden zunächst bis zu zehn Preisträger pro Bundesland ausgewählt. Aus dem Kreis der 16 Landessieger wurden die drei Bundessieger sowie die Plätze vier bis zehn ermittelt.

Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr zusätzlich der Sonderpreis „Stark durch Vielfalt“ vergeben, mit dem den Herausforderungen der Schulen im Umgang mit Vielfalt Rechnung getragen wird. Ausgezeichnet wird das Staatliche regionale Förderzentrum Herderschule in Weimar. Die Schule hat das Projekt „Bauhausreise“ entwickelt, das Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf einen Einblick in das Staatliche Bauhaus am Gründungsort Weimar gibt. Das Projekt fördert in herausragender Weise die  Sozialentwicklung, Kreativität, Eigeninitiative, Kontaktfähigkeit und das Selbstvertrauen der Schüler.

Alle im Wettbewerb ausgezeichneten Schulen werden in das „Starke Schule“-Netzwerk aufgenommen, das ihnen Fortbildungen und finanzielle Unterstützung für innovative Schulprojekte anbietet.

externer LinkDownload dieser Pressemitteilung hier (125 KB, pdf; Quelle: Mit freundlicher Genehmigung der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung).